Philosophie (Sek. II)

Wann kann ich das Fach wählen?

Das Fach Philosophie wird von der EF/Jgst. 10 bis zur Jgst. 12 angeboten und kann als reguläres mündliches oder schriftliches Abiturfach gewählt werden. Wer das Fach im Abi wählen möchte, muss es spätestens ab 11.1 schriftlich belegt haben.

Das philosophische Frage-Quartett

In der westlichen Denktradition steht Philosophie als die ‚erste Wissenschaft’ gleichsam ‚über’ allen anderen Wissenschaften. Denn irgendwann kommt man in jeder Wissenschaft zu einem Punkt, wo Probleme und Fragen aufgeworfen werden, die über die eigene Disziplin hinausgehen. An diesen Punkten kommt die Philosophie ins Spiel.

Das Fach Philosophie ermöglicht den ideologiefreien Zugang zu disziplinübergreifenden Fragestellungen, mit denen jeder Mensch irgendwann einmal konfrontiert wird.

Immanuel Kant, ein bedeutender deutscher Philosoph, hat diese Fragen zu einem Quartett gebündelt, das bis heute wegweisend ist – auch für den Philosophieunterricht am SIBI:

Was kann ich wissen?

Was soll ich tun?

Was darf ich hoffen?

Was ist der Mensch?

Die erste dieser Grundfragen zielt auf die Möglichkeit von Wissen und Erkenntnis überhaupt, also nicht auf das, was im ‚world wide web’ zu finden ist. Ist sichere und objektive Erkenntnis überhaupt möglich? Wo liegen die Grenzen unseres Erkenntnisvermögens? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, die Logik und die Sprachphilosophie.

 

Die zweite Frage: Was soll ich tun? steht in einem engen Zusammenhang mit den Fragen: Was ist gut/schlecht? Was ist Glück? Woran soll sich mein Handeln orientieren? Gibt es verbindliche Normen? Ist der Mensch überhaupt frei und somit für sein Handeln verantwortlich? Diesen Fragen geht die philosophische Disziplin der Ethik nach und die politische Philosophie konzentriert sich auf die Bedingungen des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft.

 

Die dritte Frage: Was darf ich hoffen? fragt nach dem Sinn des menschlichen Lebens. Die Auffassung, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens jeder für sich beantworten muss und somit der Sinn, der im Leben gesehen werden kann, ‚Ansichtssache’ ist, ist zwar sehr populär, allerdings bequem und stellt so noch lange keine begründete Antwort dar. Mit dieser Frage beschäftigt sich die Religionsphilosophie.

Für Kant münden alle diese Fragen in eine letzte, umfassende: Was ist der Mensch? Hiermit fragt man nach dem Wesen des Menschen. Diese Frage nach der Identität des Menschen, ist in der heutigen häufig als identitätsbedrohend empfundenen Zeit, eine Frage von elementarer Tragweite, die in der Anthropologie behandelt wird. Die Auseinandersetzung mit diesen grundlegenden Fragen und verschiedenen philosophischen Positionen kann die Schüler in ihrer Persönlichkeitsbildung unterstützen, indem sie die ‚alten’ Philosophen als Antwortgeber bzw. Gesprächspartner nutzen.

Was bedeutet Philosophieren?

Sapere aude! – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen – kann als praktischer Grundsatz des Philosophieunterrichts bezeichnet werden, denn die philosophische Tätigkeit fördert ein Bewusstsein, das darauf abzielt, durch (selbst-) kritische Reflexion und beharrliches Zweifeln, durch begriffliche und argumentative Klärung, Kritik und Begründung eine verbindliche Orientierung in Bezug auf die Grundprobleme des Menschseins zu erreichen.

Eine solche Orientierung ist nicht nur für das alltägliche Handeln des Einzelnen, sondern auch für das gesellschaftliche Miteinander, heute nicht weniger wichtig als für Sokrates, Platon und Aristoteles, die als prominente Vertreter die abendländische Philosophie vor rund zweieinhalbtausend Jahren im alten Griechenland mitbegründeten.

Immanuel Kant. Quelle: Flickr. Kant von thathappens