Am 15. und 17. Juni öffnete sich die Aula des SIBI für die Aufführung von Friedrich Dürrenmatts berühmtem Drama „Der Besuch der alten Dame“. Der Literaturkurs der Q1 stellte sich unter der Leitung von Katalina Henke-Nagy und Jan Knelangen einer anspruchsvollen Vorlage und präsentierte dem Publikum zwei ein-drucksvolle Theaterabende.
Bereits die Tatsache, dass die Aula wieder als Aufführungsort genutzt werden durfte, ist besonders erfreulich. Nach längerer Zeit konnte dieser wichtige kulturelle Raum der Schule endlich wieder mit Leben gefüllt werden. Zwar waren die neuen Brandschutzvorhänge noch nicht vollständig angebracht, weshalb das Ensemble mit einer für Theateraufführungen ungewohnten Helligkeit auf der Bühne zurechtkommen musste. Die Schauspielerinnen und Schauspieler meisterten diese besonderen Bedingungen jedoch souverän und ließen sich in ihrem Spiel nicht beeinträchtigen.
Dürrenmatts Stück erzählt die Geschichte der milliardenschweren Claire Zachanassian, die in ihre verarmte Heimatstadt Güllen zurückkehrt und der Bevölkerung ein verlockendes Angebot macht. Im Mittelpunkt steht dabei ihr ehemaliger Geliebter Alfred Ill, der sie einst verraten hat und nun mit den Folgen seiner Vergangenheit konfrontiert wird.
Zu Beginn benötigte das Publikum etwas Zeit, um sich in die besondere Inszenierung hineinzufinden. Die Rollen von Claire Zachanassian, Alfred Ill waren mehrfach besetzt, wobei sich die Darstellerinnen der Claire teilweise mitten in den Dialogen abwechselten. Diese ungewöhnliche Gestaltung verlangte Aufmerksamkeit, erwies sich jedoch als spannend, da die unterschiedlichen Interpretationen derselben Figuren neue Perspektiven eröffneten und den Charakteren zusätzliche Tiefe verliehen.
Die Rolle der Claire Zachanassian wurde von Kira Rach und Michelle Smit verkörpert. Als Alfred Ill standen Demirhan Orhan, Noah Schnaubert und Luca Lautenschläger auf der Bühne. Weitere wichtige Rollen übernahmen Marah Krämer als Mathilde Ill, Malte Tappel als Bürgermeister, Elena Rode als stellvertretende Bürgermeisterin, Annika Schneider als Lehrerin, Linus Bayer als Arzt, Tobias Lahm als Kommissar Falke, Mikail-Sevki Can als Kommissar Schulze, Lizabeta Murtezan als Oma, Ben Dinnendahl als Wirt Rolf, sowie Lea Hanschmann in der Rolle der Beraterin.
Besonders professionell wirkten die Szenenwechsel. Begleitet wurden sie von sorgfältig ausgewählten Musikstücken, die hervorragend zur Handlung passten und die Atmosphäre der jeweiligen Szenen unterstrichen. Wer die Handlung aufmerksam verfolgte oder bereits kannte, konnte dabei zahlreiche gelungene Bezüge entdecken.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends waren die eindrucksvollen Gruppenarrangements auf der Bühne. Besonders die Szenen, in denen Alfred Ill zunehmend erkennt, dass sich die Güllener gegen ihn wenden, waren beklemmend und intensiv inszeniert. Immer deutlicher wird, dass die Einwohner Ills Tod in Kauf nehmen, um an das Geld der alten Dame zu gelangen. Die ausweglose Situation der Figur wurde durch die Anordnung der Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne eindrucksvoll sichtbar gemacht. Selbst die Lehrerin, die an die Menschlichkeit und das Gewissen der Bürger appelliert, vermag den moralischen Verfall der Gemeinschaft nicht mehr aufzuhalten.
Der Literaturkurs der Q1 hat mit seiner Aufführung eindrucksvoll gezeigt, wie aktuell Dürrenmatts Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung und der Macht des Geldes bis heute geblieben sind. Vor allem verdient es große Anerkennung, dass sich junge Menschen mit so viel Engagement dem Theaterspiel widmen und den Mut haben, auf die Bühne zu treten.
Ein solcher Theaterabend gelingt jedoch nicht allein auf der Bühne. Für die technische Umsetzung sorgten Tim Heidkamp, Tim Zühlke, Fabian Benna, Yannis Krüger, Emil Behrens und Ben Meinert. Die Souffleusen Karla Ferrier, Charlotte Kalblitzer und Ronja Behrens unterstützten die Aufführungen zuverlässig im Hintergrund.
Ein besonderer Dank gilt außerdem Selin Kaya vom Sanitätsdienst.
Der Theaterabend war ein voller Erfolg und verdient ein großes Lob. Die Schülerinnen und Schüler überzeugten durch ihr Engagement, ihre Spielfreude und ihre intensive Auseinandersetzung mit einem anspruchsvollen Werk. Das Publikum durfte dadurch zwei gelungene Abende in der SIBI-Aula erleben, die eindrucksvoll gezeigt haben, wie lebendig und bereichernd Schultheater sein kann.